Die Zeit der Kirschen

Die Zeit der Kirschen

für Jacques Tati
von Samir Akika / Unusual Symptoms

„The ideas dictate everything, you have to be true to that or you’re dead.“ (David Lynch) — Als Jacques Tatischeff – genannt Tati – im Alter von 75 Jahren stirbt, hinterlässt er lediglich fünf Langspielfilme und ein zu Lebzeiten nicht realisiertes Drehbuch. Und doch ist der französische Komiker, Schauspieler und Regisseur eine Ikone nicht nur des französischen Kinos sondern des modernen Humorverständnis überhaupt. Ein akribischer Arbeiter, dessen genau durchkomponierten Filmen jahrelange Beobachtungen seiner Sujets vorausgingen, ein Besessener, ein Einzelgänger, dem die Kontrolle über das eigene Werk und die Perfektion der eigenen Kunst über alles gingen. Und dessen Augen dabei stets den komischen Konflikt im Spannungsfeld zwischen kultureller und sozialer Tradition und den Verheißungen des modernen, technisch-avantgardistischen Lebens suchten.
Obwohl das Medium Film schon früh zu den wichtigen Inspirationsquellen Samir Akikas gehörte, hat er sich an das französische Kino bislang noch nicht so recht herangewagt. Die Mechanismen der Komik aber haben ihn schon in „Funny, how?“, seiner ersten Arbeit für das Theater Bremen, brennend interessiert, und so kommt nun vielleicht zusammen, was irgendwann einmal zusammen kommen muss. In „Die Zeit der Kirschen“ entwirft der algerisch-französische Choreograf eine Liebeserklärung an den französischen Großmeister des Humors und verknüpft Elemente aus Tatis Werken mit einem historischen Brückenschlag der Inspiration – von Charlie Chaplin und Buster Keaton bis hin zu Michael Jackson. Eine Verneigung.

Choreographie Samir Akika
Ausstattung Nanako Oizumi
Musik jayrope, Lotte Rudhart
Licht Frédéric Dautier
Dramaturgie Gregor Runge
Choreografische Mitarbeit Ulrike Rachel-Reinbott

Foto: Jörg Landsberg

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