Orlando

Orlando

von Virginia Woolf

„Offenbar fiel es ihr nicht schwer, die verschiedenen Rollen miteinander zu vereinbaren, denn ihr Geschlecht änderte sich weit öfter, als sich jene vorstellen können, die immer nur eine Art von Kleidung getragen haben. Gegen die Redlichkeit von Kniehosen tauschte sie das Verführerische von Unterröcken ein, und die Liebe beider Geschlechter genoss sie gleichermaßen.“ — Als Grenzgänger*in zwischen den Geschlechtern kennt der*die titelgebende Held*in in Virginia Woolfs Roman, gleich dem mythischen Teiresias, die Lust der Männer wie der Frauen. Die Vielschichtigkeit der Erfindung Woolfs geht dabei weit über das Schillernde der Travestie oder Fragen von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit hinaus. Vielmehr entwirft sie durch fantasievolle Überschreibung einen vier Jahrhunderte und mehrere Epochen überspannenden Lebenslauf, in dem die queere Existenz Orlandos erst durch Fiktion verständlich wird. Bestimmt unser Begehren, das am Ende erst in der einzelnen Begegnung seinen Beweis findet, unsere Identität in stärkerem Maße als unser Geschlecht? Und was geschieht mit Identitäten, die sich einer Verortung sperren? In einem Monolog geht Matthieu Svetchine der Frage nach, wie und mit welchen Mitteln sich Biografien in ein Licht rücken lassen, in dem queere Identität sichtbar, lesbar und vor allem lebbar wird.

mit Matthieu Svetchine

Regie Franz-Erdmann Meyer-Herder

Ausstattung Nanako Oizumi

Foto: Jörg Landsberg

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